Wenn im Ernstfall plötzlich nach Medikamenten, Diagnosen, Kontakten oder Vollmachten gefragt wird, zählt jede Minute. Eine sauber strukturierte Notfallmappe für Senioren macht wichtige Gesundheitsdaten sofort verfügbar, entlastet Angehörige und hilft Rettung, Arztpraxis oder Spital bei schnellen Entscheidungen.
Besonders wenn eine 24-Stunden-Betreuung zuhause organisiert ist, sollte die Mappe vollständig und jederzeit zugänglich sein — Betreuungskräfte müssen im Ernstfall eigenständig handeln können.
Was zuerst hinein gehört
Die erste Seite sollte ohne Suchen die wichtigsten Basisdaten liefern. Dazu gehören voller Name, Geburtsdatum, Wohnadresse, Sozialversicherungsnummer und mehrere Kontakte, die im Notfall wirklich erreichbar sind.
Praxis-Hinweis
Tragen Sie bei jeder Kontaktperson nicht nur die Telefonnummer ein, sondern auch die Beziehung zur betroffenen Person und den besten Zeitpunkt für einen Rückruf. Das macht die Mappe im Ernstfall deutlich wertvoller.
Im Notfall ist eine aktuelle Gesundheitsübersicht oft entscheidend. In die Mappe gehören daher behandelnde Ärzte, Versicherungsdaten, Diagnosen, Allergien, Unverträglichkeiten und eine vollständige Medikamentenliste mit Dosierung und Einnahmezeitpunkt.
Checkliste für den medizinischen Teil
ELGA eMedikation: digitale Ergänzung zur Notfallmappe
Österreich verfügt seit 2019 flächendeckend über die elektronische Gesundheitsakte ELGA (Elektronische Gesundheitsakte). Seit 1. Jänner 2026 sind auch Wahlärzte verpflichtet, verschriebene Medikamente in die eMedikationsliste einzutragen. Rettungsdienste und die Gesundheitshotline 1450 haben 28 Tage lang Zugriff auf diese Liste.
Login über ID Austria erforderlich. ELGA-Service-Line: 050 124 4411 (Mo–Fr 7–19 Uhr).
Die beste Mappe ist nicht die umfangreichste, sondern die am klarsten organisierte. Fertigen Sie Kopien der wichtigsten Unterlagen an und sorgen Sie dafür, dass auch weitere Familienmitglieder wissen, wo die Mappe aufbewahrt wird.
Wichtige Unterlagen
In der Notfallmappe sollte der gültige Pflegegeld-Bescheid immer in Kopie liegen. Er zeigt Rettung, Krankenhaus und Behörden sofort, welcher Pflegebedarf offiziell anerkannt ist. Das Pflegegeld wird in Österreich jährlich valorisiert — die Beträge gelten ab 1. Jänner 2026.
Pflegegeld 2026 — Monatliche Beträge (alle 7 Stufen)
| Stufe | Pflegebedarf / Monat | Betrag |
|---|---|---|
| Stufe 1 | mehr als 65 Stunden | 206,20 EUR |
| Stufe 2 | mehr als 95 Stunden | 380,30 EUR |
| Stufe 3 | mehr als 120 Stunden | 592,60 EUR |
| Stufe 4 | mehr als 160 Stunden | 888,50 EUR |
| Stufe 5 | mehr als 180 Stunden + außergewöhnlicher Aufwand | 1.206,90 EUR |
| Stufe 6 | mehr als 180 Stunden + zeitlich unkontrollierbare Betreuung | 1.685,40 EUR |
| Stufe 7 | mehr als 180 Stunden + keine zielgerichteten Bewegungen möglich | 2.214,80 EUR |
Das Pflegegeld wurde ab 1. Jänner 2026 um 2,7 Prozent valorisiert. Antrag und Erhöhungsantrag: oesterreich.gv.at
Vorsorgedokumente sollten nicht erst dann Thema werden, wenn bereits Zeitdruck herrscht. Wer früh festlegt, wer im Ernstfall entscheiden darf und welche Wünsche medizinisch gelten sollen, entlastet die gesamte Familie spürbar.
Hilfreich sind etwa eine Vorsorgevollmacht, eine Patientenverfügung, eine Betreuungsverfügung und klare Absprachen zur Aufbewahrung der Unterlagen.
Patientenverfügung: zwei Formen, ein wichtiger Unterschied
Das österreichische Patientenverfügungs-Gesetz (PatVG — Patientenverfügungs-Gesetz) unterscheidet zwei Arten:
In der Notfallmappe gehört immer das Erstellungsdatum und — bei der verbindlichen Form — das Datum der letzten Erneuerung auf die Deckseite der Patientenverfügung.
So bleibt die Mappe nutzbar
Bewahren Sie die Mappe an einem festen, bekannten Ort auf, etwa im Eingangsbereich oder in der Nähe des Schlafplatzes. Eine zweite Kopie bei einer Vertrauensperson und eine digitale Version sind sinnvoll.
Prüfen Sie die Unterlagen mindestens einmal pro Jahr sowie nach jedem Krankenhausaufenthalt, Arztwechsel oder jeder Medikamentenänderung.
In der Praxis scheitert eine Notfallmappe oft nicht an fehlenden Unterlagen, sondern an veralteten oder unklaren Angaben. Darum sollten Sie die Mappe so anlegen, dass sie im Ernstfall wirklich sofort hilft.
Darauf kommt es an
Die beste Notfallmappe beantwortet in wenigen Sekunden die entscheidenden Fragen: Wer ist betroffen, welche Medikamente laufen, wer darf entscheiden und wo liegen die wichtigsten Befunde?
Hinweis: Diese Checkliste dient der allgemeinen Orientierung und ersetzt keine rechtliche oder medizinische Fachberatung.
Läuft eine 24-Stunden-Betreuung zuhause, braucht die Notfallmappe einige Ergänzungen. Betreuungskräfte — besonders beim Schichtwechsel — sollten eigenständig auf Medikamentenliste, Arzt- und Notfallkontakte zugreifen können. Sinnvoll sind außerdem: den aktuellen Pflegeplan, die Kontaktdaten der betreuenden Agentur und ein kurzes Übergabeprotokoll, damit beim Wechsel zwischen zwei Betreuerinnen keine Information verloren geht. Eine gute Notfallmappe ist in diesem Kontext kein Papierstapel — sondern das Rückgrat einer reibungslosen 24-Stunden-Versorgung zuhause.
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Nein. Ohne ausdrückliche Vollmacht gibt es keine automatische Vertretungsbefugnis für medizinische oder finanzielle Entscheidungen. Darum sollte die Vollmacht rechtzeitig geregelt und in der Notfallmappe abgelegt werden.
Mindestens einmal pro Jahr und immer dann, wenn sich Medikamente, Diagnosen, Ärzte oder rechtliche Dokumente ändern. Veraltete Angaben können im Ernstfall problematischer sein als eine noch schlanke Mappe.
An einem festen, für Familie und Betreuungspersonen bekannten Ort. Wichtig ist, dass die Mappe schnell auffindbar ist und nicht in einem unbekannten Schrank verschwindet.
Das Sozialministerium betreibt die Informationsplattform pflege.gv.at mit einer Übersicht aller Beratungsstellen nach Bundesland. Österreichweit erreichbar ist außerdem das Angehörigengespräch — ein psychologisch begleitetes Gesprächsangebot für pflegende Angehörige, telefonisch, vor Ort oder online, kostenlos: Telefon 050 808 2087. Die Arbeiterkammer informiert unter arbeiterkammer.at/pflegehotlines über regionale Pflegehotlines.
Der Angehörigenbonus ist eine staatliche Unterstützung für Menschen, die ein Familienmitglied zu Hause pflegen. Voraussetzung: die zu pflegende Person bezieht mindestens Pflegegeld der Stufe 4. Der Bonus beträgt ab 1. Jänner 2026 monatlich 134,30 Euro und wird jährlich valorisiert. Wer sich wegen der Pflege in der Pensionsversicherung selbst- oder weiterversichert, erhält den Bonus automatisch. In anderen Fällen wird ein Einkommensnachweis benötigt (max. 1.710,90 Euro netto monatlich im Jahr 2026). Antrag beim zuständigen Pensionsversicherungsträger.
Ein Antrag auf Pflegegeld wird beim zuständigen Sozialversicherungsträger (PVA — Pensionsversicherungsanstalt, BVAEB — Versicherungsanstalt öffentlich Bediensteter, Eisenbahnen und Bergbau, oder SVS — Sozialversicherungsanstalt der Selbständigen, je nach Versicherungsverhältnis) eingereicht — schriftlich oder über oesterreich.gv.at. Danach kommt eine Gutachterin oder ein Gutachter für einen angekündigten Hausbesuch. Auf Basis dieses Gutachtens entscheidet der Versicherungsträger über die Pflegestufe. Das Pflegegeld gilt rückwirkend ab dem Monatsersten nach dem Antrag. Der Bescheid gehört als Kopie in die Notfallmappe.