Wenn ein älterer Angehöriger nachts immer wieder wach wird, durch die Wohnung geht oder morgens erschöpfter ist als am Abend, leidet meist nicht nur die betroffene Person. Auch Angehörige schlafen schlechter, sind dauernd in Alarmbereitschaft und verlieren mit jeder Nacht mehr Kraft. Schlafstörungen im Alter sind deshalb kein Randthema — sie belasten das ganze Zuhause.
Dieser Ratgeber zeigt, welche Ursachen hinter unruhigen Nächten stecken, welche Maßnahmen im Alltag helfen und wann nächtliche Unterstützung oder eine 24-Stunden-Betreuung (ganztägige Begleitung durch eine Betreuungskraft) sinnvoll wird.
Worauf Familien zuerst schauen sollten
Mit zunehmendem Alter verändert sich der Schlafrhythmus. Viele Menschen schlafen leichter, wachen öfter auf und haben weniger Tiefschlafphasen. Das ist zunächst normal. Problematisch wird es, wenn ständiges Aufwachen, nächtliche Unruhe oder Tagesschläfrigkeit den Alltag beeinträchtigen.
Häufig kommen mehrere Auslöser zusammen: Schmerzen, Harndrang, Medikamente, Angst, Einsamkeit oder Desorientierung in der Nacht.
Diese Zahlen zeigen: Schlechter Schlaf im Alter ist kein Einzelproblem. Wer nachts nicht schläft und sich tagsüber erschöpft fühlt, ist in bester Gesellschaft — und hat guten Grund, genauer hinzuschauen.
Wer mehrfach zur Toilette muss, schläft nicht mehr durch und stürzt leichter. Gerade in dunklen Wohnungen oder bei unsicherem Gang wird aus einem Toilettengang schnell ein Sicherheitsproblem.
Gelenkbeschwerden, Rückenprobleme oder Druckschmerzen verhindern erholsamen Schlaf. Dann hilft oft nicht bloß ein Schlafmittel, sondern eine bessere Lagerung und ein genauer Blick auf die Schmerzursache.
Menschen mit Demenz können nachts unruhig werden, aufstehen oder umherwandern. Sie finden die Toilette nicht, suchen vertraute Personen oder verwechseln Tageszeiten. Für Angehörige ist das besonders belastend, weil Ruhe und Sicherheit gleichzeitig gefragt sind. Wie Familien diese Situation grundsätzlich einordnen, zeigt der Leitfaden zu Demenz zuhause betreuen.
Was ist das Sundowning-Syndrom?
Viele Familien kennen das Phänomen, ohne den Namen dafür zu haben: Am Nachmittag oder frühen Abend wird der demenzkranke Angehörige plötzlich unruhiger, ängstlicher oder aggressiver — obwohl er den restlichen Tag ruhig war. Dieses Muster nennt sich Sundowning-Syndrom (auf Deutsch: Sonnenuntergangs-Syndrom oder Sundown-Syndrom).
Es tritt bei Demenzerkrankungen auf, weil das veränderte Gehirn den Tag-Nacht-Rhythmus nicht mehr zuverlässig regulieren kann. Hinzu kommt, dass der Melatonin-Spiegel (das Schlafhormon) bei Demenzpatienten oft stark erniedrigt ist. Das Syndrom betrifft laut Fachliteratur zwischen 10 und 25 Prozent der Menschen mit Demenz in Pflegesettings.
Was hilft: feste Abendrituale, gezieltes Tageslicht am Morgen (Lichttherapie), Vermeidung von Überreizung am Abend und — wenn die Symptome stark sind — Rücksprache mit dem behandelnden Arzt.
Auch bestimmte Medikamente, zu spätes Schlafen am Tag oder fehlende Aktivität am Nachmittag können Nächte unruhiger machen. Dann hilft oft eine kleine Veränderung im Tagesablauf mehr als zusätzlicher Druck am Abend.
Viele Menschen beschreiben es so: Sobald man abends liegt, beginnt ein unangenehmes Ziehen, Kribbeln oder Zucken in den Beinen — der Drang, sie zu bewegen, lässt sich kaum unterdrücken. Das Restless-Legs-Syndrom (auf Deutsch: Syndrom der unruhigen Beine) ist eine neurologische Erkrankung, die in Österreich etwa 10 Prozent der Bevölkerung betrifft und mit dem Alter häufiger und belastender wird. Weil die Beschwerden meistens erst abends und nachts auftreten, werden sie oft nicht als Erkrankung erkannt — sondern als „Nervosität“ oder „schlechte Angewohnheit“ abgetan. Eine gezielte Abklärung beim Hausarzt oder Neurologen kann hier einen großen Unterschied machen.
Schnarchen ist im Alter verbreitet — aber nicht immer harmlos. Wenn der Atem im Schlaf immer wieder kurz aussetzt, spricht man von Schlafapnoe (Schlafapnoe-Syndrom, kurz: SAS). Die betroffene Person schläft zwar, erholt sich aber nicht, weil der Körper durch die Atemaussetzer ständig in leichte Weckreaktionen versetzt wird. Morgendliche Kopfschmerzen, Tagesmüdigkeit und Konzentrationsprobleme sind typische Hinweise. Laut dem österreichischen Gesundheitsportal gesundheit.gv.at sind in Österreich rund 4 Prozent der Bevölkerung betroffen — mit deutlich höheren Raten bei älteren Menschen. Schlafapnoe ist gut behandelbar, wird aber häufig erst spät erkannt.
Wichtig ist, nicht nur an Schlaf zu denken, sondern an Sicherheit. Denn viele Familien merken erst nach einem Sturz oder einer Eskalation, wie kritisch die Nächte bereits geworden sind.
Vorsicht bei Schlafmitteln — besonders im Alter
Wenn Nächte schlechter werden, greifen viele Familien früher oder später zu rezeptfreien Schlafmitteln oder bitten den Hausarzt um ein Rezept. Das ist verständlich — birgt aber ein unterschätztes Risiko.
Schlafmittel aus der Gruppe der Benzodiazepine (Beruhigungs- und Schlafmittel wie z.B. Diazepam oder Lorazepam) wirken im Alter anders als bei jüngeren Menschen: Der Körper baut sie langsamer ab, das Gehirn reagiert empfindlicher. Die Folge können Verwirrtheit, erhöhte Sturzgefahr am nächsten Morgen und — bei längerem Gebrauch — Abhängigkeit sein. Das österreichische Gesundheitsportal empfiehlt ausdrücklich, diese Mittel bei älteren Menschen nur mit größter Zurückhaltung und nicht länger als wenige Wochen einzusetzen.
Auch Melatonin, das in Österreich frei verkäuflich ist, kann bei älteren Menschen stärker wirken als erwartet. Vor einer Einnahme lohnt sich ein kurzes Gespräch mit dem Hausarzt — besonders dann, wenn bereits andere Medikamente genommen werden.
Die aktuelle S3-Leitlinie Insomnie (Schlaflosigkeit bei Erwachsenen), zuletzt April 2025 aktualisiert, empfiehlt als erste Maßnahme ausdrücklich nicht-medikamentöse Ansätze — vor allem die kognitive Verhaltenstherapie für Insomnie (kurz: KVT-I), die nachweislich auch bei älteren Menschen wirksam ist.
Wenn Nächte zum Dauerstress werden
Wer schon vor dem Schlafengehen Sorge vor dem nächsten Aufstehen, Umhergehen oder Ruf in der Nacht hat, lebt längst in einem echten Belastungsmodus. Genau dort beginnt der Punkt, an dem zusätzliche Nachtunterstützung nicht übertrieben, sondern vernünftig wird.
Wenn Angehörige kaum noch schlafen, nächtliches Aufstehen häufiger wird oder Demenz und Sturzgefahr dazukommen, reicht gelegentliches Nachsehen oft nicht mehr. Dann braucht es eine Form von Betreuung, die wirklich verlässlich eingreifen kann. Eng verwandt sind die Themen Nachtbetreuung zuhause, Aggression bei Demenz und pflegende Angehörige entlasten.
Je nach Situation kann das stundenweise Nachtbetreuung oder eine 24-Stunden-Betreuung sein. Entscheidend ist, dass nicht nur die pflegebedürftige Person sicherer wird, sondern auch die Angehörigen wieder schlafen und funktionieren können.
Sie möchten nicht jede Nacht in Alarmbereitschaft schlafen müssen?
vitabene vermittelt persönliche Betreuung in Wien, Niederösterreich und Linz — auch dann, wenn Nächte zum eigentlichen Belastungspunkt werden. Die Betreuung ist ab 94 EUR pro Tag möglich — Pflegekosten berechnen.
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Leichterer Schlaf und häufigeres Aufwachen sind im Alter verbreitet. Wenn daraus aber Erschöpfung, Unsicherheit oder nächtliche Gefahren entstehen, sollte man genauer hinschauen.
Vor allem bei Schwindel, unsicherem Gang, Dunkelheit, Demenz oder häufigem Harndrang steigt das Risiko für Stürze deutlich. Dann ist reine Hoffnung auf bessere Nächte keine sichere Strategie mehr.
Betreuung schafft Präsenz, Orientierung und schnelle Hilfe. Das reduziert Unsicherheit, entlastet Angehörige und sorgt dafür, dass nächtliche Probleme nicht allein bewältigt werden müssen.
Der erste Schritt ist fast immer der Hausarzt oder die Hausärztin — sie können einschätzen, ob eine Überweisung in eine Schlafambulanz (spezialisierte Sprechstunde für Schlafprobleme) oder ein Schlaflabor (Untersuchungseinrichtung, in der Schlaf messtechnisch analysiert wird) sinnvoll ist.
Akkreditierte Schlaflabore in Österreich — darunter Einrichtungen in Wien, Niederösterreich und Linz — sind auf der Website der ÖGSM (Österreichische Gesellschaft für Schlafmedizin und Schlafforschung) unter schlafmedizin.at gelistet. Die Zuweisung in eine Schlafambulanz erfolgt in der Regel über einen Facharzt für Neurologie oder Pneumologie (Lungenheilkunde).
Wer zunächst allgemeine Orientierung sucht, findet auf dem österreichischen Gesundheitsportal gesundheit.gv.at sowie auf der Seite des Sozialministeriums sozialministerium.gv.at kostenlose und verlässliche Informationen zu Schlafstörungen und deren Behandlung.
Für pflegende Angehörige, die selbst unter Schlaf- und Erschöpfungsproblemen leiden, gibt es in Österreich zusätzlich Entlastungsangebote — darunter Kurzzeitpflege, Tagesbetreuung und mobile Hauskrankenpflegedienste. Informationen dazu: gesundheit.gv.at — Pflegende Angehörige.