Stürze gehören zu den häufigsten Unfallursachen bei Menschen über 65, und viele davon passieren zuhause. Die gute Nachricht: Mit gezielten Anpassungen lässt sich das Risiko deutlich senken. Wer Licht, Wege, Bad und Alltagsabläufe bewusst absichert, macht die Wohnung nicht nur sicherer, sondern oft auch entspannter.
Die drei wichtigsten Sofortmaßnahmen
Schon wenige gezielte Anpassungen können die Wohnung spürbar sicherer machen. Wichtig ist, nicht nur auf einzelne Produkte zu schauen, sondern die gesamte Alltagsbewegung älterer Menschen mitzudenken: vom Aufstehen in der Nacht bis zum Weg ins Bad oder in die Küche.
Ausreichendes Licht ist eine der wichtigsten Grundlagen. Gerade nachts werden schlecht beleuchtete Wege schnell gefährlich. Nachtlichter, zusätzliche Lampen und sauber verlegte Kabel reduzieren das Risiko deutlich.
Praxis-Hinweis
Gehen Sie die Wohnung einmal bewusst mit den Augen Ihrer Angehörigen durch: Wo fehlt Licht? Wo liegt etwas im Weg? Wo müsste man sich abstützen, findet aber keinen Griff? Ein solcher Rundgang zeigt oft sofort die größten Risiken.
Flure und Durchgänge sollten frei bleiben. Schuhe, Kisten oder kleine Gegenstände, die tagsüber harmlos wirken, werden nachts oder bei Unsicherheit schnell zur Stolperfalle. Lose Teppiche sollten am besten entfernt oder zumindest konsequent rutschfest fixiert werden.
Auf glatten Böden und Treppen helfen rutschfeste Matten oder Beläge. Entscheidend ist, dass Sicherheit nicht punktuell, sondern als Wegesystem gedacht wird: von Bett zu Bad, von Sofa zu Küche, von Tür zu Sitzplatz.
Nasse Flächen sind besonders gefährlich. Rutschfeste Matten in Dusche und Badewanne sowie stabile Haltegriffe neben Toilette, Dusche und Wanne gehören deshalb zu den wirksamsten Anpassungen im Alltag älterer Menschen.
Gerade beim Hinsetzen, Aufstehen oder Umsteigen entstehen Unsicherheit und Sturzgefahr. Wer hier früh nachrüstet, verhindert oft genau jene Unfälle, die später einen Krankenhausaufenthalt oder dauerhafte Einschränkungen auslösen.
Häufig genutzte Dinge sollten ohne Bücken, Strecken oder Klettern erreichbar sein. Trinkgläser, Medikamente, Küchenutensilien und Pflegeprodukte gehören in eine Höhe, die ohne Tritthocker oder wackelige Ausweichbewegung sicher erreichbar ist.
Ein Hausnotruf-System gibt zusätzliche Sicherheit, wenn jemand alleine lebt oder sturzgefährdet ist. Im Notfall kann per Knopfdruck Hilfe gerufen werden. Solche Geräte werden in Österreich häufig als Leihsystem mit Servicepauschale angeboten.
Hausnotruf in Österreich: Anbieter und Ablauf
Das System besteht aus einem Gerät mit Festnetzanschluss und einem tragbaren Sender (Armband oder Kette). Ein Knopfdruck verbindet mit einer Notrufzentrale, die Name, Adresse und Vorerkrankungen sofort auf dem Bildschirm sieht. Bekannte österreichische Anbieter sind unter anderem:
Eine bundesweite Übersicht aller Anbieter (alphabetisch, ohne Empfehlung) findet sich auf oesterreich.gv.at.
Auf jeder Etage sollte ein funktionierender Rauchmelder vorhanden sein. Ebenso wichtig ist, dass Batterien regelmäßig geprüft werden und dass ältere Angehörige wissen, was im Brandfall zu tun ist. Sicherheit zuhause beginnt bei den alltäglichen Routinen, nicht erst im Ernstfall.
Manchmal reichen bauliche Anpassungen allein nicht mehr. Wenn Stürze trotz Maßnahmen wieder vorkommen, Nachtwege unsicher bleiben oder Angehörige die Aufsicht nicht dauerhaft leisten können, braucht es zusätzliche menschliche Präsenz.
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Wann Umbauten allein nicht mehr reichen
Wenn Medikamente, Orientierung, nächtliche Wege oder Sturzrisiko kippen, braucht es häufig nicht nur bessere Ausstattung, sondern verlässliche Unterstützung durch eine anwesende Person.
Förderungen für Wohnungsanpassung in Österreich — Stand 2026
Wichtig: Anträge müssen in der Regel vor Baubeginn gestellt werden — nachträgliche Förderungen sind meist ausgeschlossen.
Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information. Für eine individuelle Sicherheitsbeurteilung des Wohnraums empfiehlt sich eine persönliche Beratung.
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Kleine Maßnahmen wie Haltegriffe oder Antirutschlösungen sind vergleichsweise günstig. Größere Umbauten wie bodengleiche Duschen oder umfassende Barrierefreiheit können mehrere tausend Euro kosten. Förderungen sollten deshalb früh mitgeprüft werden.
Je nach Wohnort kommen Fonds Soziales Wien, Landesförderungen oder Leistungen des Sozialministeriumservice infrage. Wichtig ist meist, Anträge vor dem Umbau zu stellen und nicht erst nachträglich.
Wenn Orientierung, Mobilität oder nächtliche Sicherheit dauerhaft nicht mehr gewährleistet sind, reichen Umbauten allein oft nicht aus. Dann sollte geprüft werden, ob ergänzende Betreuung zuhause oder ein anderes Wohnmodell die bessere Lösung ist.
Das hängt vom Wohnort ab. In Wien ist die MA 25 (Wiener Wohnbauförderung) die zuständige Stelle — der Antrag muss vor Baubeginn eingebracht werden. In Niederösterreich ist die Abteilung Wohnbauförderung des Amts der NÖ Landesregierung zuständig (post.f2auskunft@noel.gv.at). Für Umbauten bei anerkannter Behinderung (ab 50 % Grad) kommt zusätzlich der Unterstützungsfonds des Sozialministeriumservice infrage — hier bitte ebenfalls vor dem Umbau anfragen. In allen Bundesländern gilt: erst Antrag einreichen, dann bauen. Wer diesen Schritt überspringt, erhält in der Regel keine Förderung mehr.
In Österreich gibt es kein direktes bundesweites Pflege-Förderprogramm speziell für Hausnotruf — das Pflegegeld kann aber für solche Hilfsmittel eingesetzt werden. Einzelne Bundesländer und Gemeinden bieten Zuschüsse an; es lohnt sich, beim Fonds Soziales Wien (in Wien), beim Land oder bei der Sozialberatungsstelle der Gemeinde nachzufragen. Das Rote Kreuz und andere gemeinnützige Anbieter vermieten Geräte auf Monatsbasis — eine Anschaffung ist in der Regel nicht notwendig. Erste Anlaufstelle für eine bundesweite Übersicht: oesterreich.gv.at/hausnotruf.
Quellen & Nachweise (Stand: April 2026)
KFV — Unfälle im Haushalt: Senioren besonders betroffen (2025) · oesterreich.gv.at — Hausnotruf: Anbieter-Übersicht · oesterreich.gv.at — Förderung behindertengerechter Umbau · Magistrat Wien MA 25 — Antrag altersgerechter Umbau · Land Niederösterreich — Förderung pflegegerechte Sanierung · Sozialministeriumservice — Unterstützungsfonds barrierefreier Umbau